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„Kampf gegen Mobbing“ Im Gespräch: Martina Buhl

In der heutigen Zeit, in der soziale Medien eine immer größere Rolle in unserem Leben spielen, ist das Thema Mobbing unter Jugendlichen präsenter denn je. Um mehr über die Auswirkungen von Mobbing und die Strategien zur Prävention zu erfahren, haben wir uns mit Martina Buhl, einer Expertin auf dem Gebiet von der regionalen Schulberatung im Kreis Herford, unterhalten.

Martina Buhl ist nicht nur eine abgeordnete Lehrkraft der Fächer Kunst und Textiltechnik, sondern auch eine erfahrene Beraterin im Bereich der Extremismusprävention* und der Demokratieförderung. Seit vier Jahren ist sie in der Systemberatung der Extremismusprävention tätig und besetzt eine von 53 Stellen in ganz Nordrhein-Westfalen im Rahmen der regionalen Schulberatung. Ihre vielseitige Ausbildung als Schwarz-Weiß-Bunt-Trainerin und als VIR-Trainer haben sie optimal auf ihre Aufgaben vorbereitet. Dazu gehören beispielsweise Schulbesuche, Seminare oder Workshops.

„Mobbing, ein aus dem Wort "Mob" (der Pöbel) abgeleiteter […] Begriff, wonach einzelne Personen in ihrer sozialen Gruppe ausgegrenzt, schikaniert und terrorisiert werden.“ – Lexikon der Psychologie

Im Interview betonte Martina Buhl die Veränderungen im Mobbingverhalten durch die Nutzung sozialer Medien. Cybermobbing sei heutzutage eine ernstzunehmende Form von Gewalt, da es praktisch keine Pause mehr vor den Angriffen gebe. Anders als früher könne man nicht nach der Arbeit oder nach der Schule abschalten, sondern man sei dauerhaft, zu jeder Zeit erreichbar und angreifbar.

Ein wichtiger Punkt, den Frau Buhl ansprach, war die Tatsache, dass Mobbing nicht nur in der Schule, sondern auch im Berufsleben vorkomme. Daher sei es entscheidend, dass Schulen Mobbing nicht ignorieren, sondern frühzeitig aktiv dagegen vorgehen. Dies könne unter anderem durch Schulungen und Workshops für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte geschehen.

Martina Buhl erklärte, dass Mobbing oft schleichend beginne und sich langsam steigere. Genau dort sieht sie den Handlungsbedarf von Beistehenden und Beobachtenden. Neue Gruppenbildungen nach den Sommerferien oder Übergänge zwischen den Klassen seien oft Momente, in denen Mobbing anfange. Lehrkräfte müssten daher frühzeitig eingreifen und zum Beispiel Einzelgespräche mit den betroffenen Schülerinnen und Schülern suchen.

Die Folgen von Mobbing könnten verheerend sein, betonte Martina Buhl. Neben seelischen Schäden wie Angst, Selbstzweifeln und Panikattacken könnten auch körperliche Schäden zurückbleiben. Es komme zu lebenslangen Folgen. Oft würden Mobbing-Betroffene in ihrem späteren Leben erneut betroffen sein. Daher sei es von großer Bedeutung, dass Schulen in ihrem Schutzkonzept Prävention von Mobbing entwickeln und umsetzen.

Wie sollen Beistehende reagieren? Die Expertin rät folgendes: Das Elternhaus solle Ruhe bewahren. Verdachte sollen geklärt werden, Beweise gesammelt werden und schließlich geplant gehandelt werden. Der unüberlegte Griff zum Telefon führe, laut Frau Buhl, oft zu gegenteiligen Ergebnissen. Als beistehende Schülerin oder Schüler sei es wichtig, die Situation zu beobachten, nicht mitzumachen und zum Beispiel die betroffene Person anzusprechen.

Für Betroffene und Beistehende gibt es diverse Unterstützungsmöglichkeiten und Hilfsangebote. Anonym und online kann man sich bei Juuuport.de und Krisenchat.de melden. In einem anderen Artikel gibt es dazu mehr Informationen. Aber auch Martina Buhl und die Schulpsycholog:innen der regionalen Schulberatung haben immer ein offenes Ohr für Lehrkräfte, Eltern und Schülerinnen und Schüler. Der Kreis Herford stellt außerdem eine ausführliche Übersicht mit Anlaufstellen zur Verfügung.

Insgesamt machte das Gespräch mit Martina Buhl deutlich, dass Mobbing ein ernstzunehmendes Problem ist, das nicht unterschätzt werden darf. Durch gezielte Maßnahmen und Aufklärung kann jedoch viel getan werden, um Mobbing vorzubeugen und betroffene Schülerinnen und Schüler zu unterstützen. Martina Buhl appelliert, aufeinander zu achten und Empathie zu leben.

*Extremismusprävention bedeutet, radikale Prozesse zu verhindern.

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