Seit dem 1. September 2025 ist Kristina Trefz als Schulsozialarbeiterin an den drei Herforder Gymnasien tätig. Im Interview erzählt sie uns von ihren Erfahrungen und ihren Wüschen für die Schulsozialarbeit in der Zukunft.
Stellen Sie sich bitte einmal kurz vor?
Ich bin Schulsozialarbeiterin hier am Ravensberger Gymnasium und mein Name ist Kristina Trefz.
Was genau ist Ihr Aufgabenfeld an unserer Schule?
Meine Aufgabe ist es, Schülerinnen und Schüler im Schulalltag zu unterstützen und zu begleiten, vor allem dann, wenn es schwierig wird, also bei Stress, bei Konflikten, bei Sorgen aber auch bei schulischen Themen wie Leistungsdruck, Freundschaften und Streit. Auch bei familiären Themen bin ich ein neutraler Ansprechpartner. Ich bin unabhängig, das heißt man kann immer zu mir kommen, ohne Angst zu haben, dass es eine schulische Konsequenz gibt. Unsere Gespräche sind vertraulich, das heißt alles bleibt unter uns, es sei denn, es gibt eine andere Absprache.
Zu meiner Arbeit gehört auch die Zusammenarbeit mit Lehrkräften und Eltern und manchmal auch mit externen Stellen. Ziel ist es, für alle Schülerinnen und Schüler eine Unterstützung zu finden, die gut zu ihnen passt, damit sie gut durch die Schulzeit kommen.
Was hat Sie dazu bewegt, Schulsozialarbeiterin zu werden?
Bei der Schulsozialarbeit hat es mich besonders gereizt, dass sie so „lebenswelt-orientiert“ ist, also ganz nah an der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen arbeitet. Schule ist nicht nur Unterricht, sondern man verbringt hier sehr viel Zeit. Das alltägliche Leben findet hier statt, mit Freundschaften, mit Stress, mit Erwartungen, Konflikten und manchmal auch mit Sorgen, die man von Zuhause mitbringt. Ich wollte gerne in einem Beruf arbeiten, in dem man genau dort ansetzt, wo die jungen Menschen sich auch aufhalten und wo man sie stärken kann, Probleme anzugehen, bevor sie richtig groß werden. „Prävention“ ist ein Begriff, der mir wirklich wichtig ist und ich denke Lebenswegorientierung und Prävention lässt sich hier in der Schulsozialarbeit ganz gut verknüpfen. Prävention heißt für mich auch, im Gespräch zu sein und mit den Schülerinnen und Schülern, früh hinzuschauen, soziale Kompetenzen zu fördern und insgesamt ein Klima zu schaffen, in dem sich die Schülerinnen und Schüler wohlfühlen. Das ist für mich ein sinnvolles Arbeiten und deswegen habe ich mich dafür entschieden.
Was macht Ihnen an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen am meisten Freunde?
Am meisten Freunde macht mir, die jungen Menschen in ihrem Alltag zu begleiten und zu sehen, wie sie groß werden. Auch die Entwicklung zu sehen finde ich spannend und auch einfach zu beobachten, wie sie lernen, Probleme zu lösen, Neues ausprobieren und nach und nach selbstbewusster werden. Das finde ich sehr interessant. Ich finde es auch schön zu sehen, wenn man merkt, dass ein Gespräch oder eine kleine Unterstützung ein Erfolg gebracht hat, also eine Veränderung herbeigerufen hat. Und was ganz naheliegt: Hier an der Schule ist man ganz nah dran und bekommt Einblicke, die man sonst von außen nicht bekommt.
Wie würden Sie Ihre Rolle als Schulsozialarbeiterin in drei Worten beschreiben?
Als Erstes habe ich natürlich eine zuhörende Rolle, außerdem eine vermittelnde Rolle und eine unterstützende Rolle. Das sind die drei wichtigsten Punkte. Neutralität würde ich auch noch ergänzen.
Wie wollen Sie ein gutes soziales Miteinander an der Schule fördern?
Ein gutes Miteinander heißt ja, dass man respektvoll miteinander umgeht. Das entsteht, wenn man sich gehört fühlt und ich würde das unterstützen, indem ich zuhöre, frühzeitig in Konflikten vermittle, Gruppen begleite, Gespräche anbiete, Situationen reflektiere aber auch andere Sichtweisen aufzeige.
Wollen Sie in Ihre Arbeit auch Lehrkräfte und Eltern mit einbeziehen, wenn ja wie?
Auf jeden Fall, das finde ich ganz wichtig. Meine Arbeit beschränkt sich nicht nur auf die Schülerinnen und Schüler, sondern oft ist es auch wichtig, ein Netzwerk zu schaffen und Lehrkräfte oder auch Eltern mit einzubeziehen, wenn dies gewollt ist. So können wir gemeinsam an einem Strang ziehen und ein Netzwerk aufbauen, das für die Schülerin oder den Schüler passend ist. Es ist natürlich wichtig, dass man die Eltern mit im Boot hat, das kann man zum Beispiel durch Gespräche machen. Auch eigeninitiativ können sich die Eltern hier melden und mit den Lehrkräften kann man zum Beispiel auch gemeinsame Unterstützungsmöglichkeiten erarbeiten. Wichtig ist immer, dass wir ein Netzwerk bilden, das für die Schülerin oder den Schüler passend ist, um die bestmögliche Unterstützung zu erreichen.
Was ist Ihnen persönlich bei der Arbeit mit jungen Menschen besonders wichtig?
Mir ist persönlich wichtig, dass sich die jungen Menschen ernst genommen und gesehen fühlen. Jeder Mensch bringt sein eigenes Päckchen mit und auch seine eigene Geschichte. Das ist ganz individuell und ich finde es ganz wichtig, ein offenes Ohr anzubieten, ohne zu urteilen und neutral zu bleiben. Wichtig dabei sind Vertrauen und Wertschätzung, das sind ganz große Punkte und Grundlagen dafür, dass die Schülerinnen und Schülern sich trauen über ihre Sorgen, Gedanken oder Probleme zu sprechen und dass so gemeinsam Lösungen gefunden werden. Mir ist auch wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler hier am Ravensberger Gymnasium wissen, dass gibt es jemanden, der für sie da ist, der ihnen zuhört und der sie unterstützt, Lösungen zu finden.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft unserer Schule, aber auch generell für Sozialarbeit an Schulen?
Ich wünsche mir hier fürs Ravensberger Gymnasium, dass es ein Ort bleibt, an dem sich alle wohlfühlen und wir respektvoll miteinander umgehen und jeder das bekommt, was er hier braucht. Für die Schulen allgemein hoffe ich, dass Schulsozialarbeit ein fester Bestandteil an allen Schulen wird und im Schulleben auch als solcher wahrgenommen wird, damit die Schülerinnen und Schüler ihre neutrale Ansprechperson bekommen und behalten.
Gibt es etwas, das Sie den Schülerinnen und Schülern gerne mit auf den Weg geben würden?
Etwas ganz simples: Es ist völlig normal, dass es Zeiten gibt, in denen man auch mal Hilfe braucht und dass es eine Stärke ist, sich Hilfe zu holen und Hilfe anzunehmen. Jeder hat mal stressige Phasen und mir ist es ganz wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler wissen, dass man da nicht alleine durch muss. Es lohnt sich Hilfe anzunehmen und zu sprechen.
Kristina Trefz ist ab diesem Halbjahr jeden Montag an unserer Schule. Nach Vereinbarung lassen sich auch Termine an anderen Tagen festlegen.